15 April, 2010

Bramstrup

Bramstrup ist ein Märchen. Ein dänisches Märchen. Nicht nur weil wenige Kilometer entfernt die Stadt Odense liegt, wo Hans Christian Andersen geboren wurde. Bramstrup ist ein Dorf, eigentlich ein Weiler. Wenige Häuser stehen dort, es gibt viele Wiesen, dänische Weite und Ebene. Und einen Gutshof. Die Architektur desselben ist großzügig. Schloss, Weiher, Gärten, Gewässer, Stallungen, Nebengebäude und riesige Grundflächen. Bei uns kennt man diese Landschaftsstimmungen aus Filmen.

Der Gutshof erzeugt ausschließlich biologische Produkte. Zu erwartende Niederschlagsmengen bieten per Satellitensystem den dänischen Bauern grundlegende Beratung für Düngung, Aussaat und Ernte. Niels Langkilde ist mit seiner fünfköpfigen Familie der Besitzer des stattlichen Anwesens und offen für mehr. Seit acht Jahren gibt es die Bramstrup Performing Arts, eine Idee, Musik und deren szenische Umsetzung nach Bramstrup zu bringen. Der alljährliche Start ist im Juni. Da sind die Tage am längsten und die Nächte kurz. Ein einfacher Heustadel bot anfangs den Raum für die Aufführungen. Aber dann fegte ein Sturm den Stadel weg. Die Ausmaße einer gotischen Kirche dienten für den Grundriss zum Wiederaufbau des neuen zauberhaften Gebäudes, es ist wiederum ein Stadel, wiederum aus Holz gebaut. Die Akustik ist phantastisch.
Das Royal Copenhagen Orchester gastiert regelmäßig, viele andere wohlbekannte dänische Ensembles geben ihre Aufführungen. Auch das Centre for Art & Leadership der Copenhagen Business School ist jährlich zu Gast.
Neben einem internationalen Symposion gibt es dazu Konzerte und deren szenische Umsetzung. Heuer unter dem Motto: The Courage Phenomenon. Moods, Intensities and Metaphors of War and Love. Die szenische Umsetzung von Claudio Monteverdis 8. Buch der Madrigale zu Krieg und Liebe von 1638 ist Ausgangspunkt für zahlreiche Workshops und Vorträge. Eine international bunt gemischte Schar von Studierenden, Vortragenden, KünstlerInnen und den lokalen NachbarInnen treffen zusammen, um miteinander zu diskutieren und sich auszutauschen. Ole Fogh Kirkeby, Pierre Guillet de Monthoux, Rob Austin, Shannon O’Donnell, Henrik Hermansen, Bengt Kristensson Uggla und Peter Hanke werden in diesem Jahr referieren. Peter Hanke als Dirigent bildet mit Niels Langkilde als Besitzer und ökonomischem Leiter des Unternehmens für das Bramstrup Performing Arts Festival die Basis für die künstlerische Zusammenarbeit von Bramstrup.

In diesem Jahr wird es eine Kooperation mit der Nomadic University for Arts, Philosophy and Enterprise in Europe geben. Der Philosoph von Copenhagen Business School Pierre Guillet de Monthoux und Bengt Kristensson Uggla von der Abo Akademi in Turku sind Teil des Netzwerkes. Niels Langkilde ist bestens für die „Nomaden“ gerüstet: Gemäß der nomadischen Idee stellt er Zelte auf, in denen die Gäste residieren. Für das leibliche Wohl wird hervorragend gesorgt.

Das heurige Festival zu Monteverdis 8. Buch der Madrigale gibt es auch einen handfesten Bezug zu Graz. Ist dieses doch dem Habsburger Ferdinand III. gewidmet, geboren 1608 in Graz, gestorben 1657 in Wien. Zur Zeit der Entstehung der Madrigale waren die Habsburger eine Weltmacht.
1618, als Ferdinand III. gerade 10 Jahre alt war, begann der 30-jährige Krieg. Ein Religionskrieg – Reformation und Gegenreformation – in den ganz Europa involviert war. Es kämpften die Habsburger mit den Spaniern, den Deutschen und dem Vatikan auf der einen Seite und Frankreich, Holland, Schweden und Dänemark auf der anderen Seite. Als die Franzosen den Schweden zu Hilfe kamen und eine Schlacht in der Nähe von Wien gewannen, willigte Ferdinand gezwungener maßen zum Waffenstillstand 1643 ein. 1648 wurde schließlich der Friede besiegelt.
Die Reformation war aber nicht nur ein Kampf um die kirchliche Erneuerung sondern wird auch als Wendepunkt in Europa gesehen. Die gesellschaftspolitische Entwicklung führte zur Religionsfreiheit und eine Trennung von Staat und Kirche herbei. Damit wurde die moderne Gesellschaft begründet.

Bramstrup widmet 2010 sich einmal mehr einem europäischen Thema. Von 17. bis 23. Juni 2010 sind Workshops und die szenischen Umsetzung von Monteverdis 8. Buch der Madrigale zu Krieg und Liebe zu erleben. Inklusive Unterkunft in Zelten und Verpflegung ab 450,– Euro.
Bramstrup ist direkt mit dem Zug vom Flughafen Kopenhagen zu erreichen.

Links: www.bramstrup.dk und www.nurope.eu
Autorin: www.luisekloos.at

Mehr Information zum Projekt: Monteverdi “Krieg und Liebe”

NUROPE

Nomadische Universität für Kunst, Philosophie und Unternehmertum in Europa

In Graz entstand 2003 im Rahmen des Europäischen Kulturparlamentes die Idee für die Gründung einer Nomadischen Universität, welche 2006 an der Åbo Akademi in Turku/Finnland etabliert werden konnte. Seitdem fanden Oasen in Turku, Biella, Kassel, Ljubljana, Istanbul und Stockholm statt. Die Nomadische Universität hat sich zu einem bedeutenden Think Tank entwickelt. Das Royal Philharmonic Orchestra Stockholm ist zum Beispiel ein Unternehmen, das bei der letzten Oase in Stockholm NUROPE als Think Tank für zwei Tage eingeladen hatte, um mit der künstlerischen Leitung des Hauses über kulturpolitische und sozial verantwortliche Nachhaltigkeit des Unternehmens zu diskutieren. Die Studierenden haben im nomadischen Lernen ein paar wenige „Habseligkeiten“ die sie auf ihrer Wanderschaft durch Europa mitnehmen: Nomadic Chair, Notebook und Nomadic Table.

Ziele von NUROPE sind
•    einen Beitrag zur Kultivierung der komplexen Formationen von Identitäten in einem sich veränderten transnationalen Europa zu leisten. Kunst und Kultur sind eine Ressource sowohl für Wachstum als auch zur Konstruktion von Identitäten in offenen Gesellschaften.
•    Eine kulturelle und wirtschaftliche Plattform für postgraduelle Studenten, Wissenschaftler und Führungskräfte anzubieten, um Fragen betreffend der Synergien zwischen Kunst und Wirtschaft aus einer glocalen europäischen Perspektive zu entwickeln und zu reflektieren.
•    Erfahrungen zu teilen sowie kreative Modelle für Bildung und Erziehung zu entwickeln und Forschungsarbeiten in sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Bereichen zu initiieren.

Europa – ein Kontinent mit komplexen Strukturen von Identitäten erweitert sich durch die globalen und lokalen Veränderungen. Die NUROPE reflektiert in ihren einzelnen Oasen die lokalen Zusammenhänge und Möglichkeiten und inkludiert alle verfügbaren globalen Links. In unserer Zeit sind wir mit neuen geopolitischen Herausforderungen konfrontiert. Die europäische und amerikanische Vorherrschaft wird überboten durch eine postkoloniale Ära mit wachsendem asiatischen Einfluss. Dies unterstreicht die soziale und kulturelle Perspektive.

Renaissance – als Vision und umfassendes Weltbild für das Verständnis, wie Innovationen durch Synergien zwischen kulturellen Wohlstand und wirtschaftlichen Wachstum erreicht werden konnten. Das Renaissancemodell beansprucht utopische Kräfte. Heute können diese im Phänomen der Kulturhauptstädte sowie im Wachstum der kreativen Industrie identifiziert werden. Dies unterstreicht die ästhetische Perspektive.

Philosophie des Handelns – baut auf die europäische Tradition, welcher das Unternehmertum zu Grunde liegt. Das Unternehmertum in Bezug auf die Prinzipien einer sozial verantwortlichen Transformation wirft Fragen der Nachhaltigkeit und der ethischen Verantwortung auf und ist untrennbar mit humanen Handlungsweisen verbunden. Dies unterstreicht die ethische Perspektive.

Kritik – kreiert eine kritische Distanz welche eine Veränderung um die Kunst des Denkens der ständigen Erneuerung ermöglicht. Heute bietet die Kunstkritik ästhetische Ressourcen für die Entwicklung der Demokratie, wo neue Formen der Beurteilung verwendet werden, durch welche das Vertrauen wachsen kann. Dies unterstreicht die politische Perspektive.

Nomadic University for Art, Philosophy and Enterprise

www.kulturparlament.com

www.nurope.eu

Nomadische Universität für Kunst, Philosophie und Unternehmertum in Europa

In Graz entstand 2003 im Rahmen des Europäischen Kulturparlamentes die Idee für die Gründung einer Nomadischen Universität, welche 2006 an der Åbo Akademi in Turku/Finnland etabliert werden konnte. Seitdem fanden Oasen in Turku, Biella, Kassel, Ljubljana, Istanbul und Stockholm statt. Die Nomadische Universität hat sich zu einem bedeutenden Think Tank entwickelt.