15 April, 2010

Bramstrup

Bramstrup ist ein Märchen. Ein dänisches Märchen. Nicht nur weil wenige Kilometer entfernt die Stadt Odense liegt, wo Hans Christian Andersen geboren wurde. Bramstrup ist ein Dorf, eigentlich ein Weiler. Wenige Häuser stehen dort, es gibt viele Wiesen, dänische Weite und Ebene. Und einen Gutshof. Die Architektur desselben ist großzügig. Schloss, Weiher, Gärten, Gewässer, Stallungen, Nebengebäude und riesige Grundflächen. Bei uns kennt man diese Landschaftsstimmungen aus Filmen.

Der Gutshof erzeugt ausschließlich biologische Produkte. Zu erwartende Niederschlagsmengen bieten per Satellitensystem den dänischen Bauern grundlegende Beratung für Düngung, Aussaat und Ernte. Niels Langkilde ist mit seiner fünfköpfigen Familie der Besitzer des stattlichen Anwesens und offen für mehr. Seit acht Jahren gibt es die Bramstrup Performing Arts, eine Idee, Musik und deren szenische Umsetzung nach Bramstrup zu bringen. Der alljährliche Start ist im Juni. Da sind die Tage am längsten und die Nächte kurz. Ein einfacher Heustadel bot anfangs den Raum für die Aufführungen. Aber dann fegte ein Sturm den Stadel weg. Die Ausmaße einer gotischen Kirche dienten für den Grundriss zum Wiederaufbau des neuen zauberhaften Gebäudes, es ist wiederum ein Stadel, wiederum aus Holz gebaut. Die Akustik ist phantastisch.
Das Royal Copenhagen Orchester gastiert regelmäßig, viele andere wohlbekannte dänische Ensembles geben ihre Aufführungen. Auch das Centre for Art & Leadership der Copenhagen Business School ist jährlich zu Gast.
Neben einem internationalen Symposion gibt es dazu Konzerte und deren szenische Umsetzung. Heuer unter dem Motto: The Courage Phenomenon. Moods, Intensities and Metaphors of War and Love. Die szenische Umsetzung von Claudio Monteverdis 8. Buch der Madrigale zu Krieg und Liebe von 1638 ist Ausgangspunkt für zahlreiche Workshops und Vorträge. Eine international bunt gemischte Schar von Studierenden, Vortragenden, KünstlerInnen und den lokalen NachbarInnen treffen zusammen, um miteinander zu diskutieren und sich auszutauschen. Ole Fogh Kirkeby, Pierre Guillet de Monthoux, Rob Austin, Shannon O’Donnell, Henrik Hermansen, Bengt Kristensson Uggla und Peter Hanke werden in diesem Jahr referieren. Peter Hanke als Dirigent bildet mit Niels Langkilde als Besitzer und ökonomischem Leiter des Unternehmens für das Bramstrup Performing Arts Festival die Basis für die künstlerische Zusammenarbeit von Bramstrup.

In diesem Jahr wird es eine Kooperation mit der Nomadic University for Arts, Philosophy and Enterprise in Europe geben. Der Philosoph von Copenhagen Business School Pierre Guillet de Monthoux und Bengt Kristensson Uggla von der Abo Akademi in Turku sind Teil des Netzwerkes. Niels Langkilde ist bestens für die „Nomaden“ gerüstet: Gemäß der nomadischen Idee stellt er Zelte auf, in denen die Gäste residieren. Für das leibliche Wohl wird hervorragend gesorgt.

Das heurige Festival zu Monteverdis 8. Buch der Madrigale gibt es auch einen handfesten Bezug zu Graz. Ist dieses doch dem Habsburger Ferdinand III. gewidmet, geboren 1608 in Graz, gestorben 1657 in Wien. Zur Zeit der Entstehung der Madrigale waren die Habsburger eine Weltmacht.
1618, als Ferdinand III. gerade 10 Jahre alt war, begann der 30-jährige Krieg. Ein Religionskrieg – Reformation und Gegenreformation – in den ganz Europa involviert war. Es kämpften die Habsburger mit den Spaniern, den Deutschen und dem Vatikan auf der einen Seite und Frankreich, Holland, Schweden und Dänemark auf der anderen Seite. Als die Franzosen den Schweden zu Hilfe kamen und eine Schlacht in der Nähe von Wien gewannen, willigte Ferdinand gezwungener maßen zum Waffenstillstand 1643 ein. 1648 wurde schließlich der Friede besiegelt.
Die Reformation war aber nicht nur ein Kampf um die kirchliche Erneuerung sondern wird auch als Wendepunkt in Europa gesehen. Die gesellschaftspolitische Entwicklung führte zur Religionsfreiheit und eine Trennung von Staat und Kirche herbei. Damit wurde die moderne Gesellschaft begründet.

Bramstrup widmet 2010 sich einmal mehr einem europäischen Thema. Von 17. bis 23. Juni 2010 sind Workshops und die szenischen Umsetzung von Monteverdis 8. Buch der Madrigale zu Krieg und Liebe zu erleben. Inklusive Unterkunft in Zelten und Verpflegung ab 450,– Euro.
Bramstrup ist direkt mit dem Zug vom Flughafen Kopenhagen zu erreichen.

Links: www.bramstrup.dk und www.nurope.eu
Autorin: www.luisekloos.at

Mehr Information zum Projekt: Monteverdi “Krieg und Liebe”

San Francisco Museum Of Modern Art

Im beeindruckenden Gebäude des Museums of Modern Art in San Francisco im Design von Mario Botta, kann man immer wieder unerwartete Beiträge zur zeitgenössichen Kunst kennenlernen. Das SFMOMA besitzt die umfassendste Sammlung der Kunst des 20. Jahrhunderts an der Westküste und beinhaltet  die Sparten Malerei, Skulptur, Photographie, Architektur, Design und Neue Medien. Dieses Museum erzählt die Geschichte der Moderne und der zeitgenössischen Kunst durch Meister wie Ansel Adams, Bruce Conner, Joseph Cornell, Salvador Dali, Richard Diebenkorn, Eva Hesse, Frida Kahlo, Ellsworth Kelly, Yves Klein, Sherrie Levine, Gordon Matta-Clark, Henri Matisse, Piet Mondrian, Pablo Picasso, Robert Rauschenberg, Diego Rivera, Cindy Sherman, Alfred Stieglitz, Clyfford Still, Edward Weston und viele andere.  Das SFMOMA hat sich verpflichtet, die Strömungen der Zeit der visuellen Kunst und Kultur und einzigartige Ausdrucksformen von individuellen KünstlerInnen zu zeigen, die darüberhinaus auch das Leben der Menschen in der spezifischen Atmosphäre der Bay Area reflektieren. Auf diese Weise gibt es für die BesucherInnen immer wieder Neuentdeckungen. So gab es die postminimalistischen Skulpturen von Martin Puryear zu sehen, die der Künstler in über 30 Jahren kreiert hat. Puryear´s Arbeiten vereinen die moderne Abstraktion mit der Tradition von Handwerk und Holzarbeit in einer Weise, wo Formen durch Materialien wie Holz, Teer, Steine und Seile entstehen. Der Künstler hatte sein Handwerk in Sierra Leone, West Afrika, und in Schweden gelernt. Die aussergewöhnlich eigenständige Formensprache entspringt seinem handwerklichen Können, das er mit seinem tiefen Verständnis und Gefühl für Formen, Geschichte, Tradition und Kulturen zu verbinden weiß.  Seine frühen Skulpturen beschreibt der Künstler als „grundlegende Aktivität“ oder als „eine sehr einfache Aktivität“ oder als „das Resultat dessen, was etwas zusammenhält“ oder einfach als „alles sichtbar“.  Der Anfang vom Anfang: Material, Methode, Motivation.  Er probiert die Möglichkeiten des Materials, wie weit lässt es sich biegen oder  ineinanderstecken bis jene Formen entstehen, die er im Gefühl sucht. Ergebnisse sind archaische Formen, die in unterschiedlichen Kulturen ihre Wurzeln haben und die dennoch eine universelle Sprache sprechen.

Walt Disneys wunderbare Welt – in der Kunsthalle München

Die faszinierende, multimediale Ausstellung bietet überraschende Einblicke in die Bildwelt des Meistererzählers Walt Disney (1901 – 1966). Jeder kennt die großen Klassiker des Zeichentrickfilms, wie „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ (1937), „Fantasia“ (1940) oder „Das Dschungelbuch“ (1967). Dennoch bemerken nur die wenigsten, wie tief die Bilder dieser Filme in der europäischen Kunst und Literatur des 19. Und 20. Jahrhunderts wurzeln. In der Gegenüberstellung von Originalzeichnungen, Malereien, Figurmodellen und Filmausschnitten des frühen Disney Studios mit Gemälden und Skulpturen von Künstlern der deutschen Romantik, des französischen Symbolismus, der Viktorianischen Malerei und des Surrealismus zeigt die Ausstellung konkrete Verbindungen zwischen der populären und der hohen Kunst, zwischen Literatur und Film sowie zwischen der amerikanischen und europäischen Kultur.
Die Ausstellung beginnt mit einer Übersicht von Disneys Entwicklung des Zeichentrickfilms: Von den frühen Schwarz-Weiß-Kurzfilmen wie „Steamboat Willie“ (1928) geht es zu seinem ersten großen Zeichentrickfilm  „Schneewittchen und die sieben Zwerge“, der den internationalen Durchbruch für Disney bedeutete und das Medium der Animation auf das Niveau von Hollywood-Klassikern erhob. Auch die Pionierrolle des Disney Studios wird anschaulich dargestellt. Dort arbeitete ein Team internationaler Künstler, denn Walt Disney selbst hatte das Zeichnen schon früh aufgegeben, um sich ganz seinem eigentlichen Talent, der Erzählkunst zu widmen. Als Walt Disney 1935 eine Reise nach Europa unternahm, erwarb er hier über 350 illustrierte Bücher, neben Märchenbänden auch Klassiker der Literatur- und Kunstgeschichte. Diese wurden zu einem wichtigen Grundpfeiler seines Studios. Künstler wie Albrecht Dürer, Pieter Breughel, Goivanni Piranesi, Honoré Daumier, Gustave Doré, Moritz von Schwind, Caspar David Friedrich, Gustave Moreau, Victor Hugo, Arnold Böcklin, Franz von Stuck und John Atkinson Grimshaw können anhand dieser Bibliothek als konkrete Inspirationsquellen für seine Zeichner nachgewiesen werden. Auch Schloss Neuschwanstein war den Mitarbeitern Disneys wahrscheinlich vertraut. Für sein Studio engagierte Disney die besten Zeichner, viele von ihnen kamen aus Europa, wo sie eine klassisch-akademische Ausbildung absolviert hatten.
In München werden Meisterwerke der Animation, die zu Lebzeiten Disneys entstanden, nun den Meisterwerken der europäischen Kunst gegenübergestellt. Mit dem Kurzfilm „Destino“, der auf eine Zusammenarbeit zwischen Walt Disney und Salvador Dali zurückgeht, kulminiert dieser Austausch zwischen den Bildmedien. Sie schätzten sich als Künstler gegenseitig und so beauftragte Disney den großen Surrealisten einen Kurzfilm zu gestalten, wofür Dali zahllose Skizzen und Gemälde anfertigte. Der Film selbst wurde erst nach dem Tod der beiden Künstler, 2003, realisiert. Diese Filmrarität ist ebenfalls in der Ausstellung zu sehen.

Perspektiven in Europa – Sozial verantwortliche Transformationen

Perspektiven in Europa – Sozial verantwortliche Transformationen
Am Beispiel von
NUROPE – Nomadische Universität für Kunst, Philosophie und Unternehmertum in Europa

KünstlerInnen, WissenschaftlerInnen und PhilosophInnen sämtlicher europäischen Länder treffen sich im Rahmen des Europäischen Kulturparlaments seit 2002 jährlich, berichten über ihre eigene Arbeit und diskutieren über die kulturellen Perspektiven Europas. Während des Kulturhauptstadtjahres 2003 fand die zweite Session des Europäischen Kulturparlaments in Graz statt. In Graz entstand auch die Idee für die Gründung einer Nomadischen Universität, welche 2006 an der Åbo Akademi University in Turku/Finnland etabliert wurde. In den einzelnen Oasen finden sich Partner wie Cittadellarte-Fondazione Pistoletto, die Universitäten Ljubljana, Zadar, Istanbul und Stockholm, die Documenta Kassel und möglicherweise auch die Universität Graz.

Ziele von NUROPE sind
•    einen Beitrag zur Kultivierung der komplexen Formationen von Identitäten in einem sich veränderten transnationalen Europa zu leisten. Kunst und Kultur sind eine Ressource sowohl für Wachstum als auch zur Konstruktion von Identitäten in offenen Gesellschaften.
•    Eine kulturelle und wirtschaftliche Plattform für postgraduelle Studenten, Wissenschaftler und Führungskräfte anzubieten, um Fragen betreffend der Synergien zwischen Kunst und Wirtschaft aus einer glocalen europäischen Perspektive zu entwickeln und zu reflektieren.
•    Erfahrungen zu teilen sowie kreative Modelle für Bildung und Erziehung zu entwickeln und Forschungsarbeiten in sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Bereichen zu initiieren.

Europa – ein Kontinent mit komplexen Strukturen von Identitäten erweitert sich durch die globalen und lokalen Veränderungen. Die NUROPE reflektiert in ihren einzelnen Oasen die lokalen Zusammenhänge und Möglichkeiten und inkludiert alle verfügbaren globalen Links. In unserer Zeit sind wir mit neuen geopolitischen Herausforderungen konfrontiert. Die europäische und amerikanische Vorherrschaft wird überboten durch eine postkoloniale Ära mit wachsendem asiatischen Einfluss. Dies unterstreicht die soziale und kulturelle Perspektive.

Renaissance – als Vision und umfassendes Weltbild für das Verständnis, wie Innovationen durch Synergien zwischen kulturellen Wohlstand und wirtschaftlichen Wachstum erreicht werden konnten. Das Renaissancemodell beansprucht utopische Kräfte. Heute können diese im Phänomen der Kulturhauptstädte sowie im Wachstum der kreativen Industrie identifiziert werden. Dies unterstreicht die ästhetische Perspektive.

Philosophie des Handelns – baut auf die europäische Tradition, welcher das Unternehmertum zu Grunde liegt. Das Unternehmertum in Bezug auf die Prinzipien einer sozial verantwortlichen Transformation wirft Fragen der Nachhaltigkeit und der ethischen Verantwortung auf und ist untrennbar mit humanen Handlungsweisen verbunden. Dies unterstreicht die ethische Perspektive.

Kritik – kreiert eine kritische Distanz welche eine Veränderung um die Kunst des Denkens der ständigen Erneuerung ermöglicht. Heute bietet die Kunstkritik ästhetische Ressourcen für die Entwicklung der Demokratie, wo neue Formen der Beurteilung verwendet werden, durch welche das Vertrauen wachsen kann. Dies unterstreicht die politische Perspektive.

Internationale Miniaturenbiennale in Serbien – Steirische KünstlerInnen stark vertreten

“Diese 4 Tage in Gornji Milanovac mit vielen wertvollen Momenten werden jeder und jedem von uns in intensiver Erinnerung bleiben”, schildert Walter Köstenbauer seine Eindrücke, der einer von zwölf beteiligten Künstlern in der 50.000 Einwohner zählenden Stadt 120 km südlich von Belgrad war.
Mirjana Selakov-Peitler vom Medienlabor im Grazer Kunsthaus, hat den österreichischen Beitrag kuratiert. Mitgereist waren Gerhard Gross, ILA, Walter Köstenbauer, Martin Krusche, Regina Peier und Sergey Yugov (Medienkünstler “in residence” in Graz). Weiters mit Arbeiten dabei, aber nicht persönlich vor Ort: Markus Wilfling, Cym, Christian Eisenberger, Karin Frank, Walter Kratner, Michael Mastrototaro und Petra Maitz.
Von den KünstlerInnen aus 35 beteiligten Nationen wurde ILA mit dem Gesamtpreis für Skulptur ausgezeichnet.
Die Biennale dauert noch bis 20. Juni 2008 und findet heuer zum 9. Mal statt. Nach einer 10 Jahre Jahre lang dauernden Blockade nach dem Balkankrieg, wo es den KünstlerInnen in Serbien nur sehr schwer möglich war, an internationalen Ereignissen teilzunehmen, bessert sich die Gesamtsituation langsam seit 2003.

NUROPE

Nomadische Universität für Kunst, Philosophie und Unternehmertum in Europa

In Graz entstand 2003 im Rahmen des Europäischen Kulturparlamentes die Idee für die Gründung einer Nomadischen Universität, welche 2006 an der Åbo Akademi in Turku/Finnland etabliert werden konnte. Seitdem fanden Oasen in Turku, Biella, Kassel, Ljubljana, Istanbul und Stockholm statt. Die Nomadische Universität hat sich zu einem bedeutenden Think Tank entwickelt. Das Royal Philharmonic Orchestra Stockholm ist zum Beispiel ein Unternehmen, das bei der letzten Oase in Stockholm NUROPE als Think Tank für zwei Tage eingeladen hatte, um mit der künstlerischen Leitung des Hauses über kulturpolitische und sozial verantwortliche Nachhaltigkeit des Unternehmens zu diskutieren. Die Studierenden haben im nomadischen Lernen ein paar wenige „Habseligkeiten“ die sie auf ihrer Wanderschaft durch Europa mitnehmen: Nomadic Chair, Notebook und Nomadic Table.

Ziele von NUROPE sind
•    einen Beitrag zur Kultivierung der komplexen Formationen von Identitäten in einem sich veränderten transnationalen Europa zu leisten. Kunst und Kultur sind eine Ressource sowohl für Wachstum als auch zur Konstruktion von Identitäten in offenen Gesellschaften.
•    Eine kulturelle und wirtschaftliche Plattform für postgraduelle Studenten, Wissenschaftler und Führungskräfte anzubieten, um Fragen betreffend der Synergien zwischen Kunst und Wirtschaft aus einer glocalen europäischen Perspektive zu entwickeln und zu reflektieren.
•    Erfahrungen zu teilen sowie kreative Modelle für Bildung und Erziehung zu entwickeln und Forschungsarbeiten in sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Bereichen zu initiieren.

Europa – ein Kontinent mit komplexen Strukturen von Identitäten erweitert sich durch die globalen und lokalen Veränderungen. Die NUROPE reflektiert in ihren einzelnen Oasen die lokalen Zusammenhänge und Möglichkeiten und inkludiert alle verfügbaren globalen Links. In unserer Zeit sind wir mit neuen geopolitischen Herausforderungen konfrontiert. Die europäische und amerikanische Vorherrschaft wird überboten durch eine postkoloniale Ära mit wachsendem asiatischen Einfluss. Dies unterstreicht die soziale und kulturelle Perspektive.

Renaissance – als Vision und umfassendes Weltbild für das Verständnis, wie Innovationen durch Synergien zwischen kulturellen Wohlstand und wirtschaftlichen Wachstum erreicht werden konnten. Das Renaissancemodell beansprucht utopische Kräfte. Heute können diese im Phänomen der Kulturhauptstädte sowie im Wachstum der kreativen Industrie identifiziert werden. Dies unterstreicht die ästhetische Perspektive.

Philosophie des Handelns – baut auf die europäische Tradition, welcher das Unternehmertum zu Grunde liegt. Das Unternehmertum in Bezug auf die Prinzipien einer sozial verantwortlichen Transformation wirft Fragen der Nachhaltigkeit und der ethischen Verantwortung auf und ist untrennbar mit humanen Handlungsweisen verbunden. Dies unterstreicht die ethische Perspektive.

Kritik – kreiert eine kritische Distanz welche eine Veränderung um die Kunst des Denkens der ständigen Erneuerung ermöglicht. Heute bietet die Kunstkritik ästhetische Ressourcen für die Entwicklung der Demokratie, wo neue Formen der Beurteilung verwendet werden, durch welche das Vertrauen wachsen kann. Dies unterstreicht die politische Perspektive.

Honorarkonsulat des Königreiches Marokko in Graz

Kein anderes Land des afrikanischen Kontinents hat eine größere Nähe zu Europa als Marokko. Die Distanz an der engsten Stelle von Gibraltar beträgt 14 Kilometer. Viele Menschen aus Marokko kommen auf Arbeitssuche nach Europa, vorwiegend nach Spanien, Frankreich und Italien. Die Eröffnung des Honorarkonsulates soll laut dem Leiter DI Michael Ksela, die Annäherung Marokkos an Europa symbolisieren. Die Annäherung wird über den Austausch von Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft passieren. Die kulturelle Entwicklung Marokkos gleicht einem Weg, auf dem die Modernität ihre Kraft ständig aus der Tradition, dem Althergebrachten schöpft. Um einen Einstieg in die Kultur Marokkos vom Wohnzimmer zu Hause aus zu haben, seien hier die „Stimmen von Marrakesch“, Aufzeichnungen nach einer Reise von Elias Canetti aus dem Jahr 1968 empfohlen. Canetti führt die LeserInnen nach Marrakesch, in denen er den Charme der Stadt einzufangen und blitzlichtartig zu beleuchten versucht. Nicht zu kurz kommt dabei der zentrale Marktplatz von Marrakesch, der Djemaa El Fna. Der Kulturraum des Platzes wurde 2001 in die UNESCO-Liste der Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit aufgenommen. An den Abenden herrscht auf diesem Platz ein buntes Treiben mit Künstlern, Musikern, Gauklern und Märchenerzählern und es gibt viele Stände an denen kulinarische Spezialitäten der Region gereicht werden. Unvergesslich sind mir die gekochten Schafsaugen, die als leckere Delikatesse angeboten werden.
Das zeitgenössische Kulturschaffen Marokkos zeigt sich vor allem in der Literatur. Zu den bekanntesten Schriftstellern gehört Tahar Ben Jelloun. Im Essay „Papa, was ist ein Fremder?“ von 1997 erklärt er seiner Tochter – und allen anderen Interessierten – einfühlsam und dennoch sachlich, warum Rassismus entsteht und wie man dem entgegenwirken kann. Dieses Kinderbuch und „Papa, was ist der Islam?” wurden sehr bald zu internationalen Bestsellern. Durch Nadia Yassine und Fatima Mernissi wird Marokko von der kritischen Seite beleuchtet, in der die Rolle der Frauen im Islam und die Menschenrechtsverletzungen, die im Land passieren, erforscht und beschrieben werden.
Marokko gilt bis heute als beliebter Schauplatz für Historien- und Bibelverfilmungen. Viele namhafte Regisseure, darunter Ridley Scott (Gladiator, Königreich der Himmel) und Franco Zefirelli (Jesus von Nazareth) haben ihre Filme gedreht. Auch wurde hier zwischen 1993 und 2001 die 13-teilige TV-Serie “Die Bibel” produziert. Viele der Einwohner und deren Familien von Quarzazate und Ait-Ben-Haddou stellten sich in den Produktionen für die authentische Komparserie zur Verfügung.
Aus den Bereichen Design und Architektur gibt es interessante zeitgenössische Beispiele, die aus dem traditionellen Bewußtsein für Gestaltung hervorgebracht wurden. Tanz und Musik zählen sicherlich zu den bekanntesten Kulturexporten des Landes und die Gartenkultur kann vielleicht eine Inspirationsquelle auch für uns in der Steiermark werden.

Honorarkonsulat des Königreiches Marokko, Kastellfeldgasse 24, 8010 Graz
Leiter: DI Michael Ksela

Künstler brauchen ein Parlament

Europäisches Kulturparlament in Liverpool
Yehudi Menuhin stellte einmal fest, dass Künstler ein Parlament brauchen und Karl-Erik Norrman hat 2001 ein derartiges Kulturparlament in Straßburg gegründet. Das Ziel war – und ist – die Rolle der Kultur, die KünstlerInnen und deren kreative Ideen und Initiativen in Europa zu stärken. Zusätzlich wollte man auch den Dialog zwischen den einzelnen Kunstrichtungen in Ost- und Westeuropa stärken. So hat man außerordentliche Künstlerpersönlichkeiten und Persönlichkeiten des kulturellen Lebens aus allen Teilen des Kontinents nominiert, um Mitglied im Europäischen Kulturparlament zu sein. Inzwischen gibt es rund 150 Mitglieder aus 40 europäischen Ländern. So begann die erste Session 2002 in Brügge mit dem Thema “Ethische und Ästhethische Werte als eine Essenz der neuen Europäischen Gesellschaft”. 2003 gab es in Graz die 2. Session wo über “Kultur als ein Instrument der Konfliktprävention” diskutiert wurde. Im Jahr darauf  wurde 2004 in Genua das Thema “Kultur jenseits der Unterhaltung” behandelt. Danach wurde 2005 in Lissabon über “Wie kann Kultur den Zusammenhalt Europas fördern” gesprochen und eine abschließende Agenda über “Die strategische Rolle von Kultur in einer wissensbezogenen Wirtschaft” an die Europäischen Union geschickt. Die 5. Session 2006 in Turku behandelte das Thema “Kann Kultur helfen, den Europäischen Stillstand aufzulösen?” Und schließlich 2007 wurde in Sibiu über den “Interkulturellen Dialog” sowie über die “Kommunikation der Europäischen Idee zu ihren Einwohnern” nachgedacht und debattiert.
Heuer wird vom 24. – 26. Oktober die 7. Session in Liverpool stattfinden. Die Mitglieder des ECP sind eingeladen, über “Kultur, Medien und Demokratie” zu diskutieren. Der “Open space für den Interkulturellen Dialog” wird weitergeführt. Die TeilnehmerInnen berichten über Aktivitäten in ihren Ländern, Theoretiker bringen neue Statements und es wird Berichte über Projekte geben, die durch das Netzwerk von ECP entstanden sind. So ist das prominenteste Projekt wohl NUROPE, die Nomadic University for Art, Philosophy and Enterprise in Europe, mit Sitz in Turku. NUROPE hat sich 2006 etabliert und nach Oasen Turku, Biella, Kassel, Ljubljana, Istanbul und Turku/Stockholm werden noch weitere in Kopenhagen und in Turku stattfinden. Danach wird evaluiert und die entstandenen Projekte und Arbeiten präsentiert.
Dem Europäischen Kulturparlament steht ein Senat vor. Dieser besteht aus Mitgiedern von erfahrenen Europäern mit kultureller Orientierung, den Vorsitz führt Minister Pär Stenbäck aus Helsinki. Der Senat bestimmt die strategischen Ziele ebenso, wie er verantwortlich für die Finanzierung ist und die Gastgeber aussucht.
In der Lissabon Agenda von 2000 der Europäischen Union wird auf die Wichtigkeit der wissengesteuerten Wirtschaft für die Zukunft Europas hingewiesen. Ein dafür nötiges Programm ist die Herausforderung, um eine entsprechende Infrastruktur für Innovation zu bilden und wirtschaftliche Reformen sowie die Modernisierung der sozialen Wohlfahrt und des Bildungssystems zu forcieren. Die Agenda formuliert strategische Ziele für die nächste Dekade sehr hoch: “In Europa die am meisten konkurrierende und dynamisch wissensbasierende Wirtschaft zu etablieren verbunden mit einem nachhaltigen Wirtschaftswachstum mit mehr und besseren Arbeitsmöglichkeiten und größerem sozialen Zusammenhalt. In diesen hoch gesteckten Zielen haben die KünstlerInnen eine besondere Verantwortung für die soziale Transformation im interkulturellen Dialog in der europäischen Gesellschaft. Und wie Jacques Delors in Bezug auf die Kultur formuliert: “Europa braucht eine Seele.”

Liverbeatlespool – Aktuelles aus Großbritannien

Liverpool ist gerade noch Kulturhauptstadt und es lohnt sich, über London nach Liverpool zu reisen, um die Biennale von Liverpool einerseits und die Tate Modern in London andererseits zu besuchen.
Liverpool, ganz im Zeichen der Beatles stehend, wird in etlichen Projekten diesem Geist des Aufbruchs, des Unkonventionellen und des sozial Interessanten und Mutigen gerecht. Die Liverpool Tate zeigt neben den wichtigsten künstlerischen Beispielen des 20. Jahrhunderts aus der Sicht Großbritanniens auch „Made Up“ – neue zeitgenössische Kunst aus dem Jahre 2008. Malerei und Zeichnung sind eindeutig die Schwerpunkte und macht deutlich, dass diese Medien ungebrochen lebendig sind. Aber auch interessante Video- und Fotoarbeiten kann man sehen. Über die Stadt verteilt lädt die Liverpool Biennale zu zahlreichen Plätzen, die so nebenbei auch eine Entdeckung der Stadt ermöglichen. „The BLACKIE“ sei hier als interessantes Kulturzentrum hervorgehoben. Seit 1967 werden in der ehemaligen Kirche Workshops in Musik, Tanz, Theater und bildende Kunst für junge Menschen, vom Baby bis zum Erwachsenenalter, angeboten. Die Menschen von Liverpool haben im BLACKIE einen Kulturort, der wirklich Identität stiftend ist.
„Liverbeatlespool“ ist der Titel einer Arbeit  in der Tate Modern in London des brasilianischen Pioniers der Konzeptkunst Cildo Meireles. Cildo Meireles` Arbeiten sind politisch, gesellschaftskritisch, historisch exzellent recherchiert und zeigen hohen ästhetischen Anspruch. Er thematisiert Zeit und Unendlichkeit, Transparenz und Begrenzungen und die tragische Verquickung von materieller und spiritueller Macht, die in Lateinamerika das Ende der indianischen Kultur durch die Christianisierung bedeutete. Die Installation „Mission“ zeigt einfach und äußerst einprägsam, auf welchem Fundament der Reichtum durch die Kolonialisierung gebaut ist: 2000 Rinderknochen hängen von oben, der Boden ist mit 600 000 Münzen bestreut, ein verbindendes symbolisches Element zwischen diesen Flächen ist eine dünne Säule von 800 Hostien. Seine großen Arbeiten kreieren im Raum eine eigene Identität und sie berühren in frappierender Weise viele Ebenen des menschlichen Seins.
In der Turbinenhalle der Tate Modern zeigt Dominique Gonzalez – Foerster seine Vision über das Jahr 2057, in dem es unaufhörlich stark regnet und er das Museum als einen sicheren Ort für Kunstwerke und Menschen definiert. Last but not least ist noch eine Schau des Spätwerkes von Mark Rothko zu sehen. Seine „Seagram Murals“ sind in ihrer Entstehung anschaulich präsentiert und zeigen Mark Rothko einmal mehr als den vibrierendsten Maler des 20. Jahrhunderts. Mit dem Tate Boat gelangt man „very easy“ zur Tate Britain, die eine Retrospektive von Francis Bacon und die Preisträger des Turner Preises 2008, der prestigeträchtigste britische Kunstpreis, vorstellt. Das alles ist

Im Gehege: Paul Rotterdam

Zwei aktuelle Ausstellungen im Landesmuseum Niederösterreich und im Leopold Museum, Wien

Eine Reihe von zentralen Bildern des Malers Paul Rotterdam trägt den schlichten Titel „Substanz“. In zwei großen Ausstellungen sind nun seine wesentlichen Werke im Niederösterreichischen Landesmuseum St. Pölten und über 90 Zeichnungen sowie drei großformatige neueste Bilder ab 15. Juni im Leopold Museum in Wien zu sehen.

Paul Zwietnig Rotterdam, geboren 1939 in Wiener Neustadt und aufgewachsen in Leoben, hat als Vertreter der New York School international einen wesentlichen Beitrag in der zeitgenössischen Malerei und Zeichnung geleistet. Er hat mit seinen Werken internationale Bedeutung erreicht, seine Bilder sind weltweit in den wichtigsten Sammlungen vertreten. Bereits mit 27 Jahren wurde als Professor an die Harvard University berufen und ist als Kritiker und Vortragender international geschätzt.
Als kleines Kind, durch eine Krankheit für ein Jahr im Gips ins Bett verbannt, lernte Paul Rotterdam sehr früh die feinsten Unterschiede zu beobachten, in seinem Fall vorzugsweise weiße Wände. Diese Sensibilität für die feinsten Vibrationen in Farbe und Linie ist in seinen Bildern das absolut Kostbarste. Sehr früh begann er in Leoben seine Umgebung zu zeichnen, alte Häuser kurz vor ihrem Abbruch innen zu bemalen und lernte die Kritik der Urteilskraft von Kant noch in seiner Schulzeit auswendig. Sein Gefühl für die Sprache, die sich in seinen Vorträgen wie eine musikalische Komposition erschließt, lässt erahnen, welch ästhetisches Gefühl in diesem Künstler entwickelt ist. Die Literatur inspiriert und begeistert ihn. Die philosophische Reflexion und Transzendenz seiner Gedanken, sein umfassendes Wissen, seine Fähigkeit, dieses in verständlicher Weise auszudrücken, bereiten jedes Mal ein außerordentliches Vergnügen, dem Künstler zu begegnen.
Seit einigen Jahren hat sich der Künstler von New York City auf das Land nach Blenheim, Upstate New York, zurückgezogen. In seinen Bildern „Blenheim“ ist zu sehen, wie sehr der Künstler eins mit der Natur geworden ist: Sie zeigen Inhalte, ohne sie darzustellen. Die Landschaften, die sich vor dem Auge ausbreiten, künden von einer metaphysischen Erfassung des Realen. Abstraktion und Realismus in spannender Vereinigung, Licht und Farbe in feinster Vibration, überraschende Bildgeschehnisse und zugleich wie „an einem Seil vom Himmel herunter gekommen“, sind seine Bilder nicht in Sprache auszudrücken, letztlich nur fassbar mit dem Gefühl.
In den späten 60er Jahren haben Fälscher versucht, seinem Werk Schaden zuzufügen. In der aktuellen Ausstellung im Leopold Museum sind den Fälschungen die Originale gegenübergestellt – eine kleine Schauübung.
Paul Rotterdam kommt seit 1998 regelmäßig in die Benediktinerabtei Seckau zu den Ästhetischen Übungen. Kunsthistorische und kunsttheoretische Texte warten auf die Veröffentlichung. Sein malerisches Werk ist im Prestel Verlag in einer zweiten Auflage publiziert, seine Zeichnungen werden folgen.

Niederösterreischisches Landesmuseum, St. Pölten: „Substance“
1. Juni bis 3. Oktober 2007
www.landesmuseum.net
Leopold Museum Wien: Die Kunst der Linie – Das zeichnerische Werk
15.Juni – 3. September 2007

http://www.leopoldmuseum.org

Paul Rotterdam: „Malerei, Skulptur, Projekte 1953 – 2004“
Prestel Verlag München, 2. Auflage, 35 Euro